23.10.2020, 08:43 Uhr

Nashville (AFP) Trump und Biden liefern sich trotz harter Attacken geordnetes TV-Duell


Kein klarer Sieger - Biden sorgt mit Hitler-Vergleich für Aufsehen

Es geht auch anders: Überraschend zivilisiert haben US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden bei ihrem zweiten Fernsehduell debattiert. Zwar lieferten sich die beiden Kontrahenten um das Präsidentenamt am Donnerstagabend (Ortszeit) erneut harte Wortgefechte, stritten aber deutlich disziplinierter als bei ihrem ersten Aufeinandertreffen. Als klarer Sieger ging keiner aus dem TV-Duell hervor. Biden kritisierte den Amtsinhaber jedoch scharf für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie und sorgte für Aufsehen mit einem Hitler-Vergleich.

"Jeder, der für so viele Tote verantwortlich ist, sollte nicht Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bleiben." Trump bezeichnete den Kandidaten der oppositionellen Demokraten im Gegenzug als "korrupten Politiker". Er beschuldigte Biden zudem, in seiner Zeit als Vizepräsident von 2009 bis 2017 keine Fortschritte für das Land erreicht zu haben, auch nicht für Afroamerikaner. "Du hast nichts geschafft", sagte Trump. "Du redest nur und tust nichts."

Der Präsident und sein Herausforderer traten in Nashville im Bundesstaat Tennessee zum zweiten und letzten Mal vor der Wahl am 3. November im direkten Duell gegeneinander an. Ihre erste TV-Debatte Ende September war chaotisch verlaufen, weil Trump seinem Rivalen nahezu pausenlos ins Wort gefallen war.

Am Donnerstagabend galten deswegen strenge Regeln. So wurde das Mikrofon des einen Kandidaten zu Beginn eines jeden Themenblocks stummgeschaltet, während der andere Kandidat zwei Minuten sprechen durfte. Trump hielt sich weitestgehend an die Regeln.

Den ersten Schlagabtausch des Abends lieferten sich die Kontrahenten beim Thema Coronavirus. "220.000 Amerikaner sind tot", sagte Biden. Trump habe aber immer noch "keinen Plan" für den Kampf gegen Pandemie, während ein "dunkler Winter" drohe.

Trump zeigte sich dagegen erneut optimistisch, dass die USA die Krise bald hinter sich lassen könnten. "Wir kriegen die Kurve", sagte der Republikaner. "Es geht weg." In den USA sind bereits mehr als 222.000 Menschen an den Folgen der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben - die höchste Zahl weltweit.

In der Diskussion um Trumps Beziehungen zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sorgte Biden dann für den Aufreger des Abends. "Wir sind nicht in einem Krieg. Wir haben eine gute Beziehung", erklärte Trump seine Sicht auf die Verbindung zu Nordkorea. Biden antwortete darauf: "Soweit ich weiß, hatten wir eine gute Beziehung zu Hitler, bevor er Europa überfiel."

Hitzig wurde das Fernsehduell auch, als Trump seinem Herausforderer wegen früherer Geschäftstätigkeiten von dessen Sohn Hunter in China und der Ukraine Korruption vorwarf. "Joe, sie nennen dich einen korrupten Politiker", sagte der Präsident. "Also tue nicht so, als wärst du ein unschuldiges Baby."

Biden wies jegliches Fehlverhalten von sich: Er habe in seinem Leben noch nie einen "Pfennig" aus dem Ausland angenommen, sagte der frühere Vizepräsident von Barack Obama. Auch sein Sohn habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Die Debatte hatte zuletzt durch Berichte der konservativen Boulevardzeitung "New York Post" über angebliche E-Mails an Fahrt aufgenommen, die auf einem Laptop von Hunter Biden gefunden worden sein sollen. Eine im September veröffentlichte Untersuchung von Trumps Republikanern im Senat fand jedoch keine Hinweise auf eine unangemessene Einflussnahme durch den früheren Vizepräsidenten.

Trump liegt weniger als zwei Wochen vor der Wahl am 3. November in Umfragen hinter Biden. Der Amtsinhaber musste deswegen bei der TV-Debatte punkten.

"Diese Debatte wird die Dynamik des Rennens nicht grundlegend verändern", erklärte der Politikwissenschaftler Mitchell McKinney. Das hätte Trump aber gebraucht: "Deswegen kann Joe Biden heute einen Sieg für sich verbuchen." Angesichts der 48,5 Millionen bereits vorab abgegebenen Wählerstimmen erwarte auch er keine "grundlegende" Richtungsänderung, sagte der Politikwissenschaftler Aaron Kall.


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