12.12.2019, 16:12 Uhr

„Kein Täter kann sich sicher sein“ Lorazepam in Haaren nachgewiesen – nach „perfektem Mord“ gegoogelt – Ex-Verlobter von Maria Baumer in U-Haft

(Foto: Kathrin Lechl)(Foto: Kathrin Lechl)

Damit hätten wohl die wenigsten gerechnet – in den Fall der Ende Mai 2012 verschwundenen Maria Baumer aus Muschenried im Landkreis Schwandorf gerät wieder Bewegung. Nachdem im September 2013 die sterblichen Überreste der Frau gefunden worden waren, geriet der Verlobte ins Visier der Ermittler. Doch offenbar gab es nicht genug Beweise, die Staatsanwaltschaft schloss die Akten im Februar 2018. Nun – mehr als 7,5 Jahre nach dem Verschwinden – sitzt der ehemalige Verlobte erneut in Haft. Er soll die damals 26-Jährige heimtückisch ermordet haben.

REGENSBURG Die neuesten Details im Fall Maria Baumer gab die Staatsanwaltschaft Regensburg am Donnerstag, 12. Dezember, bei einer Pressekonferenz bekannt. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Regensburg, Dr. Clemens Prokop, und der Sachbearbeiter des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens, Thomas Rauscher, berichteten zusammen mit Harald Wiesenberger, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg, dass seit Juli 2019 wieder intensiv am Fall gearbeitet worden ist. Man habe seitens der Staatsanwaltschaft erneut die Beweislage geprüft und die Polizei gebeten, die Ermittlungsgruppe „EG Maria“ wieder ins Leben zu rufen. Man sei einer Vielzahl an Spuren nachgegangen – mittlerweile sind es über 230. Zudem habe man die sterblichen Überreste Marias erneut einer chemisch-toxikologischen Untersuchung unterzogen – in einem neuen Labor. Hier sei in einem Haarbüschel der Toten der Wirkstoff Lorazepam nachgewiesen worden.

Maria Baumer war am 26. Mai 2012 das letzte Mal gesehen worden – so die Aussage ihres damaligen Verlobten. Sie habe, während er beim Joggen war, die gemeinsame Wohnung in Regensburg verlassen. Danach sei es zu zwei Anrufen gekommen, auch eine Facebook-Nachricht soll Maria Baumer ihrem Verlobten geschrieben haben. In der Folge kam es zu großen Suchaktionen im Bereich Bernhardswald, hier hatte das Paar den Abend vor dem Verschwinden bei Verwandten verbracht. Immer wieder gaben Zeugen an, die junge Frau gesehen zu haben – so soll sie als Anhalterin an der A3 im Bereich der Anschlussstelle Weiden-Nord unterwegs gewesen sein, ebenso soll sie in Nordrhein-Westfalen im Bereich Schwelm und Gevelsberg unterwegs gewesen sein. Auch der Jakobsweg war für die Ermittler eine Option, den, so die Angehörigen, wollte sie schon immer gehen. Am 8. September dann die Wende im Fall: Die sterblichen Überreste der jungen Frau wurden im Kreuther Forst, einem Waldstück bei Bernhardswald im Landkreis Regensburg, entdeckt, Pilzsammler waren auf die Tote gestoßen. Schon damals geriet der Verlobte unter Verdacht, am 11. September 2013, nur drei Tage nach dem Fund der Leiche wurde der damals 28-Jährige festgenommen. Doch die Ermittler taten sich schwer, konkrete Beweise konnten sie nicht vorbringen. Am 6. November schließlich wurde die Freilassung des jungen Mannes angeordnet, eine erste Haftbeschwerde war als unbegründet abgelehnt worden. Eine „Neubewertung der bisherigen Ermittlungsergebnisse“, so hieß es damals, habe nun dazu geführt, dass der dringende Tatverdacht nicht mehr bejaht werde. In der Folge suchte die Kripo erneut nach Zeugen, die Hinweise geben können, was mit Maria genau geschehen ist., Es stellte sich die Frage nach einem Spaten, der unweit der Funstelle lag. Einen solchen Spaten hatte der Verlobte wenige Tage zuvor gekauft. Weiter sind auch Gegenstände verschwunden, die Maria gehörten – ein Schlüsselanhänger und ein Kreuz zum Beispiel. Letzteres trug die junge Frau immer an einer Kette um den Hals. Dann wurde es still im Fall Maria Baumer – bis bekannt wurde, dass der ehemalige Verlobte in U-Haft sitzt, weil er junge Frauen ohne deren Wissen Medikamente verabreicht haben soll. Am 16. Juni 2014 wurde dieser Haftbefehl außer Vollzug gesetzt – am Donnerstag, 15. Dezember 2016, fiel das entsprechende Urteil vor dem Landgericht Regensburg: Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs an zwei Schülern der Domspatzen und der Körperverletzung an einer Patientin des BKH zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Und nun sieht sich der Ex-Verlobte mit einem noch viel schwerer wiegendem Vorwurf konfrontierte: Mord! Heimtückisch, so die Staatsanwaltschaft. Man gehe nun davon aus, dass er seiner Verlobten den Wirkstoff Lorazepam verabreicht hat. Wann und in welcher Dosis sei nicht nachzuvollziehen. Die junge Frau sei dann entweder an dem Medikament gestorben oder aber in betäubtem Zustand auf eine unbekannte Weise getötet worden. Dies stützt die Staatsanwaltschaft auf eine ganze Reihe von Indizien, Thomas Rauscher berichtete, es sei in den Tagen vor der Tat mit dem Computer des jetzt Beschuldigten zu einer ganzen Reihe von Internetrecherchen gekommen. „An diesem Computer des Beschuldigten wurden insbesondere folgende Suchbegriffe gegoogelt: ,Lorazepam‘, ,letale Dosis‘ – und : ,der perfekte Mord‘“.Als Krankenpfleger habe der jetzt Beschuldigte Zugang zu entsprechenden Medikamenten gehabt. Aufgrund all dieser Hinweise wurde am 3. Dezember Haftbefehl erlassen. Am 9. Dezember sind die Wohnung des Ex-Verlobten sowie die Wohnungen seiner Mutter und eines Bruders durchsucht worden. Am Mittwoch, 11. Dezember, wurde der Mann dann verhaftet und in einer bayerischen JVA untergebracht.

Rauscher betonte, dass für den jetzt Inhaftierten weiter die Unschuldsvermutung gelte. Man ermittle weiter – in beide Richtungen, belastend wie entlastend. Diese Ermittlungen sollen bis Februar 2020 abgeschlossen sein. Nach jetzigem Stand der Dinge könnte dann Ende Februar 2020 Anklage erhoben werden.


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