22.10.2019, 21:48 Uhr

Das Imkern wird immer beliebter – mancher Nachbar stört sich daran


Darf ich einfach so einen Bienenstock im eigenen Garten aufstellen? Gibt es Regeln, die ich beachten muss? Diese Fragen sollten sich angehende Hobby-Imker stellen, wenn sie planen, sich Bienen anzuschaffen. Tobias Niebauer aus Bad Abbach ist Vorsitzender des Imkervereins Regensburg Nord – er weiß, was erlaubt ist und worauf man achten sollte.

REGENSBURG In Regensburg gibt es sogar drei Imkervereine, diese sind in zwei Verbänden – dem Verband Bayerischer Bienenzüchter (VBB) und dem Landesverband Bayerischer Imker (LVBI) – organisiert, berichtet Tobias Niebauer. Der Imkerverein Regensburg Nord hat zur Zeit 67 Mitglieder, 27 sind Frauen. Die Zahl der Mitglieder nehme zu, so Niebauer. Durch neue, auch junge, Mitglieder sinke das Durchschnittsalter, momentan liege es bei 44 – „Tendenz fallend“, so Niebauer.

Wer mit der Bienenhaltung beginnen möchte, der sollte am besten einen Kurs besuchen, um sich vorab genau zu informieren. Wichtig dabei: Man sollte einen Imkerkurs mir hohem Praxisanteil auswählen, rät Niebauer. „Imkern ist ein praktisches Hobby, man kann sehr viel darüber lesen, aber in der Praxis ist es dann doch etwas anderes.“ Ein eigenes Grundstück ist nicht unbedingt notwendig, wenn man Bienen halten möchte. Die Stadt Regensburg, die Bayerischen Staatsforsten und auch die Deutsche Bahn stellen meist kostenlos Flächen zur Verfügung. Im fürstlichen Wald rund um Regensburg ist es für einen geringen Betrag möglich, ein Grundstück für die Bienenhaltung zu nutzen. Auch in Wohngebieten ist die Haltung von Bienen erlaubt – solange man sich an den Paragraphen 906 BGB hält. Dieser besagt, dass man als Nachbar eine Nutzung des angrenzenden Grundstückes dulden muss, solange „die Einwirkung die Benutzung seines Grundstücks nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt“. Als Faustregel gilt, dass für ein Bienenvolk 200 Quadratmeter Fläche vorhanden sein sollten. Mehr als sieben Völker sollten nicht an einer Stelle gehalten werden und zum Nachbargrundstück sollte ein Mindestabstand von drei Metern eingehalten werden. Als Hobby-Imker sollte man zudem darauf achten, dass die Bienen durch Hecken gezwungen werden, schnell an Höhe zu gewinnen, sodass sie nicht zu niedrig in den Gärten der Nachbarn fliegen. Ebenso sollte man den Bienen eine Tränke anbieten, sodass sie nicht zum Beispiel den Teich im Nachbarsgarten nutzen, um sich mit Wasser zu versorgen. „Im Allgemeinen ist es ratsam, mit dem Nachbarn zu reden. Viele Mitbürger stehen mittlerweile der Bienenhaltung sehr offen gegenüber“, sagt Niebauer – und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Ab und zu ein Glas Honig kann hier Wunder bewirken!“

Wer sich Bienen zulegen will, muss wissen, dass es besonders im Frühjahr viel zu tun gibt. Im April, Mai und Juni muss einmal in der Woche eine Schwarmkontrolle durchgeführt werden, zweimal im Jahr – Ende Mai und Ende Juli – kann der Honig geerntet werden. Danach folgt die Spätsommerpflege, bei der man vor allem auf die Behandlung gegen die Varroamilbe achten muss.

Niebauer räumt auch mit der weit verbreiteten Angst vor den Bienen auf – „viele Menschen können eine Biene nicht von einer Wespe unterscheiden, somit werden oft Bienen beschuldigt, obwohl es Wespen waren. Bienen gehen nicht auf Lebensmittel, sie befliegen nur Pflanzen, die Pollen, Nektar oder Honigtau abgeben. Ansonsten ist unsere einheimische Biene mittlerweile so sanftmütig, dass man ohne Probleme im Abstand von drei bis fünf Metern zum Stock Kaffee trinken kann.“


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